Pferde im Winter: Alles Wichtige zu Haltung, Fütterung und Gesundheit

Der Winter stellt Ihr Pferd vor ganz besondere Anforderungen. Kälte, Nässe, Wind und kurze Tage verändern nicht nur das Verhalten Ihres Pferdes, sondern auch seinen Energiebedarf, seine Bewegungsroutine und seine Gesundheit. In diesem Beitrag erfahren Sie, worauf es jetzt wirklich ankommt, damit Ihr Pferd gesund, ausgeglichen und sicher durch die kalte Jahreszeit kommt – inklusive Fachwissen von Tierärztin Dr. Christa Finkler-Schade.

Frieren Pferde im Winter? So erkennen Sie, ob Ihr Pferd wirklich friert

Auch wenn wir Menschen schon beim ersten Frost die Winterjacke herausholen, gilt für Pferde etwas ganz anderes: Sie sind Kältetiere. Die meisten Pferde fühlen sich bei Temperaturen zwischen –10 °C und +10 °C sogar besonders wohl. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Ihr Pferd frieren kann und es ist wichtig, dass Sie diese frühzeitig erkennen.

Warum Pferde Kälte besser vertragen als wir

Pferde besitzen:

  • ein dichtes Winterfell, das wie ein natürlicher Thermomantel funktioniert
  • eine starke Muskulatur, die Wärme produziert
  • einen großen Verdauungstrakt, der durch Raufutter zusätzlich Energie freisetzt

Diese Kombination macht Pferde erstaunlich kälteresistent. Aber: Das gilt nicht für jedes Pferd gleichermaßen.

Wann Pferde tatsächlich frieren können

Folgende Pferde sind besonders kälteempfindlich:

  • geschorene Pferde, weil die natürliche Isolation fehlt
  • sehr dünne oder ältere Pferde, deren Energiehaushalt schwächer ist
  • kranke Pferde, z. B. mit geschwächtem Immunsystem
  • Pferde mit nassem Fell (Regen, Schnee, Schwitzen), denn Feuchtigkeit zieht Wärme ab

Wind und Nässe spielen eine große Rolle: Ein 5-Grad-Tag mit Regen fühlt sich für Pferde oft belastender an als ein trockener Frosttag.

Woran Sie erkennen, dass Ihr Pferd friert

Achten Sie besonders auf diese Signale:

  • Ihr Pferd spannt die Muskulatur an oder wirkt steif
  • es zittert
  • es bewegt sich ungern oder wirkt niedergeschlagen
  • das Fell steht ungesund gesträubt ab (nicht zu verwechseln mit normalem „Aufplustern“ zur Isolation)

Zeigt Ihr Pferd eines oder mehrere dieser Anzeichen, sollten Sie Stallmanagement, Ausrüstung oder Fütterung anpassen.

Was Sie tun können, wenn Ihr Pferd friert

  • trockene, windgeschützte Bereiche schaffen
  • nasses Fell vermeiden oder schnell trocknen
  • ausreichend Heu anbieten (Heu = Wärmeenergie)
  • bei Bedarf eindecken, aber niemals „auf Verdacht“

Wichtig: Beobachten Sie Ihr Pferd individuell. Nicht die Außentemperatur entscheidet, ob ein Pferd friert, sondern seine körperliche Verfassung, Pflege und Haltung.

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Pferdehaltung im Winter – Offenstall, Box oder kombiniert?

Wie gut Ihr Pferd durch den Winter kommt, hängt natürlich auch von der passenden Haltungsform ab. Jedes System hat Vorteile, entscheidend ist, dass es zur Gesundheit, zum Temperament und zu den Bedürfnissen Ihres Pferdes passt. Im Winter sind diese Unterschiede besonders sichtbar.

Offenstall im Winter

Im Offenstall profitieren Pferde von:

  • ständiger Bewegung, die Herz-Kreislauf und Verdauung unterstützt
  • frischer, klarer Luft 
  • sozialem Kontakt, der Stress reduziert
  • individuell wählbaren Liege- und Fressbereichen

Gerade robuste Pferde oder solche, die gern draußen sind, kommen hier hervorragend zurecht. Damit ein Offenstall wintertauglich ist, sollten Sie besonders darauf achten, dass:

  • Unterstände wind- und regengeschützt sind
  • genügend trockene Liegeflächen vorhanden sind
  • Wege und Paddocks trittfest und nicht vereist sind
  • Futterstellen nicht im Matsch versinken
  • jedes Pferd problemlos ans Heu kommt (Rangordnung!)

Ein gut geplanter Offenstall kann auch in Regen- oder Schneeregionen problemlos funktionieren. Wichtig ist ein durchdachtes Bodenkonzept und regelmäßige Pflege.

Boxenhaltung im Winter

In der Box ist Ihr Pferd im Winter perfekt vor Nässe, Wind und extremen Temperaturen geschützt. Das ist besonders für ältere, geschorene oder kälteempfindliche Pferde ein Vorteil.

Damit Boxenhaltung im Winter wirklich pferdegerecht bleibt, braucht Ihr Pferd:

  • täglichen, möglichst mehrstündigen Auslauf
  • eine gut belüftete, trockene Box
  • genügend Sozialkontakt (z. B. durch Gitter, Sozialkontaktöffnungen oder halb offene Fronten)
  • staubarmes Einstreu
  • ausreichend Platz zum Liegen und zum entspannten Aufstehen

Ein häufiger Winterfehler ist, dass Pferde aus Sorge vor Glätte oder Schmutz zu wenig nach draußen kommen. Genau das erhöht aber das Risiko für verspannte Muskulatur, schlechte Verdauung oder auffälliges Verhalten.

Kombilösungen

Viele Pferde profitieren im Winter besonders von einer Mischung aus drinnen und draußen:

  • Zugang zu einer Box für Ruhe und Wetterschutz
  • Möglichkeit zum regelmäßigen Auslauf auf Paddock oder Winterweide
  • flexible Stallzeiten, angepasst an Wetter und Bedürfnis des Pferdes

Solche Systeme sind im DACH-Raum besonders beliebt, weil sie Wetterextreme abfedern und gleichzeitig ausreichend Bewegung ermöglichen.

pferde im winter paddock

Optimales Stallklima im Winter: Licht, Luft und Temperatur

Egal ob Ihr Pferd im Offenstall viel draußen ist oder in einer Box untergebracht ist, der Innenbereich muss im Winter vor allem eines sein: frisch, trocken und gut durchlüftet.

Wie warm sollte der Pferdestall im Winter sein?

Pferde benötigen keinen warmen Stall. Wie bereits erwähnt, sind sie Kältetiere und fühlen sich bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt oft wohler als bei 15 Grad Stallwärme.

Wichtiger als die Temperatur ist, dass der Stall trocken bleibt und keine starken Temperaturschwankungen zulässt. Ein zu warmer Stall erhöht die Luftfeuchtigkeit, begünstigt Staub und Ammoniak und belastet damit die Atemwege stärker als Kälte.

Ein gesunder Winterstall ist daher eher kühl, aber angenehm trocken und klar in der Luft.

Frischluft statt Zugluft: Stalllüftung im Winter

Frischluft ist für Pferde im Winter unverzichtbar. Sie sorgt dafür, dass feuchte, verbrauchte Luft entweichen kann und kein „Stallmief“ entsteht, der Atemwegsprobleme begünstigt.

Dabei geht es nicht um offene Türen im Durchzug, sondern um eine kontrollierte, stetige Luftbewegung. Ideal sind:

  • hochliegende Fenster oder Öffnungen,
  • Lüftungsfirste,
  • seitliche Lüftungselemente, die Luft zirkulieren lassen, ohne dass sie direkt auf Ihr Pferd trifft.

Sobald Ammoniakgeruch wahrnehmbar ist oder Fenster dauerhaft beschlagen, sollten Sie die Belüftung verbessern. Ein gutes Stallklima erkennen Sie daran, dass Sie selbst frei durchatmen können, wenn Sie den Stall betreten.

Auslauf & Weidenutzung im Winter

Auch im Winter brauchen Pferde Bewegung, frische Luft und ausreichend Zeit draußen. Wie gut das gelingt, hängt stark davon ab, wie Auslauf und Weideflächen in der kalten Jahreszeit gestaltet sind. Matsch, Frost und Nässe verändern den Boden und stellen Sie als Pferdehalter vor besondere Herausforderungen. 

Matschmanagement: So bleibt der Auslauf trittsicher

Regen, Tauwetter und Frostwechsel führen schnell zu aufgeweichten Böden. Für Ihr Pferd bedeutet das: Rutschgefahr, erhöhte Belastung der Sehnen und ein höheres Risiko für Mauke oder Strahlfäule.

Sorgen Sie deshalb für:

  • trittfeste, drainierte Bereiche, besonders an Engstellen und Futterplätzen
  • regelmäßige Pflege der Wege, um Pfützen und tiefe Löcher zu vermeiden
  • bei Bedarf den Einsatz von Sand, Hackschnitzeln oder Paddockmatten, damit der Boden stabil bleibt

Wenn Weideflächen im Winter stark leiden, lohnt es sich, einzelne Bereiche zu schonen und zu rotieren. So bleiben die Flächen langfristig belastbar.

Eis, gefrorene Böden & Glätte – Gefahren erkennen und vermeiden

Gefrorene, unebene Böden sind für Pferde eine der größten Unfallquellen im Winter. Löcher, Trittsenken oder alte Maulwurfshügel härten aus und werden zu echten Stolperfallen. Es lohnt sich, vor dem ersten Frost alles zu ebnen, was später gefährlich werden kann.

Räumen Sie häufig genutzte Wege von Schnee und achten Sie darauf, dass:

  • keine vereisten Stellen im Auslauf entstehen
  • sich unter den Hufen keine Schneeklumpen bilden (bei beschlagenen Pferden besonders wichtig)

Gerade bei glatten Böden ist es sinnvoll, den Auslauf täglich zu kontrollieren und ggf. einzelne Bereiche zu sperren oder umzuleiten.

pferde im winter weide

Unterstand und Windschutz: Sicherheit bei jedem Wetter

Pferde kommen gut mit Kälte zurecht, aber Nässe und Wind sind im Winter die eigentlichen Belastungsfaktoren. Ein winterfester Auslauf braucht daher:

  • einen trockenen, dreiseitig geschützten Unterstand, der Wind und Schneeverwehungen abhält
  • ausreichend Platz, damit auch rangniedere Pferde ungestört Schutz finden
  • rutschfeste Liegeflächen, die regelmäßig gereinigt oder neu eingestreut werden

In Regionen mit starkem Wind – wie in großen Teilen Norddeutschlands – ist ein zusätzlicher Windschutz durch Bepflanzung, Zäune oder Paddockwände besonders wertvoll. In schneereichen Regionen hingegen sind überdachte Futterstellen oft wichtiger, damit das Heu trocken bleibt.

3 Tipps für Bewegung und Training im Winter

Auch wenn das Wetter ungemütlicher wird, braucht Ihr Pferd täglich Bewegung. Sie hält den Stoffwechsel aktiv, unterstützt die Verdauung und hilft Ihrem Pferd, mental ausgeglichen zu bleiben. 

Zudem sind Pferde Tiere, die viel Bewegung brauchen. Wenn sie im Winter weniger draußen sind oder sich auf rutschigen Böden vorsichtiger bewegen, baut sich schnell Überschussenergie auf. Das kann sich zeigen als:

  • verspannte Muskulatur
  • übermütiges oder hektisches Verhalten
  • Verdauungsprobleme durch zu wenig Aktivität

Gerade Pferde, die überwiegend in der Box stehen, reagieren oft sensibel auf eingeschränkten Auslauf. Je konstanter Sie Bewegung in den Alltag integrieren, desto ausgeglichener bleibt Ihr Pferd.

1. Warm-up im Winter: Warum Sie jetzt mehr Zeit einplanen sollten

Bei niedrigen Temperaturen benötigt die Muskulatur länger, um warmzuwerden. Ein gründliches Aufwärmen ist daher wichtiger als zu jeder anderen Jahreszeit.

Das bedeutet:

  • mindestens 10–15 Minuten Schritt zu Beginn
  • erst danach mit Trab- oder Galopparbeit beginnen
  • bei Bedarf mit Decke oder Nierendecke anreiten

2. Training bei Schnee, Eis und Frost – was geht und was nicht

Winterwetter muss kein Grund sein, das Training komplett auszusetzen. Entscheidend ist der Boden:

  • Schnee: Auf frisch gefallenem, lockerem Schnee lässt sich gut im Schritt arbeiten. Tiefschnee erfordert jedoch viel Kraft und sollte nur bei trainierten Pferden dosiert genutzt werden.
  • Gefrorener Boden: Da der Boden sehr hart und uneben sein kann, ist die Verletzungsgefahr recht hoch. Hier lieber auf Schritt, Bodenarbeit oder eine Einheit in der Halle ausweichen.
  • Glätte: Bei glatten Flächen keine schnellen Gangarten. Zudem ist sicherer Hufschutz Pflicht.

3. Sinnvolle Alternativen bei schlechtem Wetter

Auch wenn Reitplatz oder Auslauf einmal nicht optimal sind, gibt es viele Möglichkeiten, Ihr Pferd sinnvoll zu beschäftigen:

  • Spaziergänge an der Hand
  • Bodenarbeit oder Führtraining
  • Longieren in ruhigen, kontrollierten Sequenzen
  • Stangenarbeit im Schritt
  • kleine Mobilisationsübungen (z. B. seitwärts treten, Rückwärtsrichten)
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Fütterung im Winter – Expertenwissen von Dr. Christa Finkler-Schade

Die Fütterung spielt im Winter eine zentrale Rolle, denn Kälte, weniger Bewegung und der Wegfall der Weide verändern den gesamten Stoffwechsel Ihres Pferdes. Tierärztin Dr. Christa Finkler-Schade erklärt, worauf es jetzt besonders ankommt, damit Ihr Pferd gesund bleibt, sein Immunsystem stabil arbeitet und es gut durch die kalte Jahreszeit kommt.

Kann die Ernährung das Immunsystem unterstützen?

Ja – und zwar stärker, als viele denken. Ein gut funktionierendes Immunsystem beginnt im Darm. Ist die Darmflora im Gleichgewicht und wird der Verdauungstrakt mit hochwertigem, strukturreichem Futter versorgt, können Keime, Viren und Parasiten deutlich besser abgewehrt werden.

Der Körper Ihres Pferdes verfügt über mehrere natürliche Schutzmechanismen: Haut und Fell bilden eine erste Barriere, Schleimhäute schützen durch zähen Schleim, und in Magen und Darm werden Erreger durch Säure und Enzyme unschädlich gemacht. Wird eine dieser Barrieren gestört – etwa durch Verletzungen, Insektenstiche oder Antibiotika, die die Darmflora beeinträchtigen – steigt die Infektionsanfälligkeit.

Deshalb gilt im Winter besonders: Eine ausgewogene, darmschonende und hochwertige Fütterung ist die wichtigste Grundlage für ein starkes Immunsystem.

Wie ist die Raufutterqualität einzuschätzen?

Im Winter besteht der Großteil der Ration aus Heu, Grassilage oder Heulage. Diese Futtermittel können jedoch sehr unterschiedliche Nährstoffgehalte haben. Entscheidend sind unter anderem die Pflanzenzusammensetzung und der Schnittzeitpunkt.

Früh geschnittenes Heu enthält meist mehr Energie, aber weniger Struktur; späteres Heu ist strukturreicher und eignet sich gut für Pferde mit geringerem Energiebedarf. Üblicherweise kommt im Pferdestall der erste Schnitt zum Einsatz. Der zweite Schnitt (Grummet) kann ebenfalls gefüttert werden, sollte jedoch mindestens sechs Wochen nachgewachsen sein, um genügend Rohfaser aufzubauen. Erst dann erreicht er die erforderlichen Werte von über 20 % Rohfaser, die für eine gesunde Verdauung notwendig sind.

Gutes Raufutter ist im Winter unverzichtbar, denn es liefert nicht nur Nährstoffe, sondern trägt über die Fermentation im Darm auch zur Wärmeerzeugung bei – ein natürlicher „Heizmechanismus“ Ihres Pferdes.

Verändert sich der Bedarf in der kalten Jahreszeit?

Ja, der Bedarf verändert sich deutlich. Pferde mit dichtem Winterfell wirken häufig runder, als sie tatsächlich sind. Daher sollten Sie den Ernährungszustand nicht nach dem Auge, sondern mit den Händen beurteilen: Die Rippen müssen gut tastbar sein, dürfen aber weder hervorstehen noch unter einer dicken Fettschicht verborgen sein.

Auch die Witterung hat direkten Einfluss auf den Bedarf. Bei anhaltender Kälte steigt der Grundumsatz, weil mehr Energie zur Wärmeproduktion benötigt wird. Das betrifft besonders Pferde in Außenhaltung oder Offenställen. Viele fressen in solchen Phasen von selbst deutlich mehr Raufutter. Wenn dies nicht möglich ist, kann der erhöhte Energiebedarf über zusätzliche Kraftfuttergaben ausgeglichen werden. Der Energiebedarf kann in Kälteperioden um bis zu 20 % ansteigen.

Vitamin- und Mineralstoffversorgung im Winter

Mit zunehmender Lagerdauer verliert Heu wertvolle fettlösliche Vitamine wie A, D und E. Deshalb ist es im Winter notwendig, ein passendes Mineral- oder Ergänzungsfutter zuzufüttern, um den Bedarf zu decken und das Immunsystem zu unterstützen. Zusätzlich sollte jedem Pferd ein weißer Salzleckstein (NaCl) zur Verfügung stehen, um die Grundversorgung mit Elektrolyten sicherzustellen.

Fütterung alter Pferde im Winter

Ältere Pferde haben im Winter besondere Bedürfnisse. Durch die natürliche Abnutzung der Zähne können sie Raufutter schlechter zerkleinern, was die Verdauung und die Nährstoffaufnahme beeinträchtigt. Früh geschnittenes Heu, eingeweichte Heucobs oder eingeweichte Rübenschnitzel sind für Senioren deshalb oft besser geeignet.

Pferde, die an Substanz verlieren, profitieren zusätzlich von Futtermitteln mit hochwertigem Protein wie Sojaschrot, Bierhefe oder speziellen Zuchtfuttern. Auch Pflanzenöle können helfen, den Energiegehalt der Ration zu erhöhen. Hafer sollte für ältere Pferde gequetscht oder flockiert gefüttert werden, um die Verdaulichkeit zu verbessern.

Weidegang bei Frost – ja oder nein?

Ob Pferde bei Frost auf die Weide dürfen, hängt stark von ihrer Gewöhnung ab. Pferde, die regelmäßig Weidegang haben, können gefrorenes Gras problemlos verdauen. Pferde hingegen, die überwiegend in der Box oder auf dem Paddock stehen oder Zuchtpferde mit wenig Weideerfahrung, sollten kein gefrorenes Gras fressen, da dies Koliken auslösen kann.

Wie können Sie die Gesundheit Ihres Pferdes im Winter mit Futter unterstützen?

Dr. Finkler-Schade bringt es klar auf den Punkt: Ein gesundes Pferd im Winter braucht vor allem gutes Futter, eine ausgewogene Ration und passende Haltungsbedingungen. Dazu gehört, dass Sie konsequent auf die Qualität des Raufutters achten, Mineral- und Vitamine gezielt ergänzen, den Körperzustand Ihres Pferdes regelmäßig kontrollieren und ausreichend Raufutter zur Verfügung stellen.

Weitere Tipps zur Gesundheit und Pferdepflege im Winter

Kälte, Nässe und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten wirken sich direkt auf Atemwege, Verdauung, Haut, Hufe und Muskulatur aus. Mit der richtigen Pflege und Aufmerksamkeit können Sie jedoch viele typische Winterprobleme vermeiden.

1. Atemwege: Empfindlich bei Kälte und trockener Luft

Die Atemwege reagieren im Winter oft empfindlicher, weil der Temperaturwechsel zwischen drinnen und draußen größer ist.

Achten Sie darauf, ob Ihr Pferd:

  • beim ersten Antraben hustet,
  • länger zum „Freimachen“ braucht,
  • vermehrt Nasenausfluss zeigt.

Das bedeutet nicht sofort eine Erkrankung, zeigt aber, dass die Schleimhäute sensibel reagieren. Ein langsames Aufwärmen, ein sanfter Trainingsbeginn und möglichst große Temperaturunterschiede vermeiden helfen Ihrem Pferd, sich anzupassen.

2. Koliken: Warum sie im Winter häufiger auftreten

Unabhängig von der Fütterung selbst, gibt es zwei zusätzliche Winterfaktoren, die Koliken begünstigen:

  1. Weniger Bewegung durch eisige Böden oder verkürzte Auslaufzeiten
  2. Kältebedingte Muskelverspannungen, die Verdauungsträgheit fördern können

Beide wirken sich auf die Darmmotorik aus. Deshalb ist regelmäßige, sanfte Bewegung ein wichtiger gesundheitlicher Baustein im Winter. Achten Sie darauf, ob Ihr Pferd weniger Kot absetzt, angespannter wirkt oder weniger Interesse an Futter zeigt – das sind alles frühe Warnsignale.

3. Haut & Beine: Winter ist Hochsaison für Mauke und Strahlfäule

Feuchte Böden, Matsch und wechselnde Temperaturen beanspruchen die Haut Ihres Pferdes stark. Vor allem Fesselbeugen und Hufe reagieren sensibel.

Typische Winterprobleme sind:

  • Mauke durch dauerhaft feuchte Fesselbereiche
  • Strahlfäule durch nasse, schmutzige Untergründe
  • Scheuerstellen unter der Decke, wenn diese nicht richtig sitzt

Sie beugen am besten vor, indem Sie Fesselbeugen nach dem Auslauf trocknen, den Strahl regelmäßig kontrollieren und Hufe täglich auskratzen. Auch eine korrekt sitzende und saubere Decke verhindert Hautreizungen bei empfindlichen Pferden.

4. Muskeln & Bewegungsapparat: Risiko Verspannung

Kälte wirkt direkt auf Muskulatur und Sehnen. Besonders Pferde, die weniger Auslauf haben oder empfindlich auf harte Böden reagieren, entwickeln im Winter häufiger:

  • Verspannungen
  • steife Bewegungen
  • Rückenempfindlichkeit

Ein längeres Aufwärmen, abwechslungsreiche Bewegungsformen und wärmende Abschwitzdecken nach dem Training helfen, diese Probleme zu vermeiden.

5. Infektionsschutz: Impfungen, Entwurmung & Herdenmanagement

Der Winter ist eine typische Zeit, in der Pferde enger zusammenstehen und damit anfälliger für Infektionen sind. Ohne Fütterungs- oder Stallklimathemen zu wiederholen, gehören zu einem guten Gesundheitsmanagement:

  • ein aktueller Impfschutz (v. a. Influenza)
  • eine im Betrieb abgestimmte Entwurmungsstrategie
  • klare Hygienemaßnahmen, z. B. getrennte Putzplätze für kranke Pferde

So lassen sich viele Infektionsrisiken bereits im Ansatz minimieren.

6. Winterfell und Scheren – Pro & Contra einer Schur

Das Winterfell ist ein beeindruckender Wärmeschutz, der Ihr Pferd bei Kälte zuverlässig schützt. Bei Arbeit kann es jedoch schnell zu warm werden, weshalb viele Sport- und Trainingspferde im Winter (teil-)geschoren werden. Auch ältere Pferde mit sehr langem Fell profitieren manchmal von einer Schur, weil sie bei Bewegung schneller trocknen und nicht überhitzen.

Bedenken Sie aber: Durch das Scheren verliert Ihr Pferd seinen natürlichen Schutz vor Wind und Kälte. Geschorene Pferde müssen deshalb immer passend eingedeckt werden – abhängig von Temperatur, Wetter und Haltungsform. Ohne passende Decke frieren geschorene Pferde schnell.

7. Besondere Aufmerksamkeit für alte und chronisch kranke Pferde

Senioren und Pferde mit bekannten Vorerkrankungen (z. B. Arthrose, Cushing, Atemwegserkrankungen) kommen im Winter oft schlechter zurecht. Beobachten Sie:

  • Gewicht
  • Beweglichkeit
  • Fellqualität
  • Atmung

Für viele ältere Pferde sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen oder eine fein abgestimmte Trainingsroutine im Winter sinnvoll, damit sie stabil bleiben.

Ausrüstung im Winter für Pferd und Reiter

Im Winter kommt es nicht nur auf Haltung und Fütterung an – auch die richtige Ausrüstung trägt entscheidend dazu bei, dass Ihr Pferd gesund bleibt und Sie selbst sicher und angenehm durch die kalte Jahreszeit kommen.

Braucht mein Pferd im Winter eine Decke?

Die Frage nach der Winterdecke beschäftigt viele Pferdehalter. Grundsätzlich gilt: Gesunde, ungeschorene Pferde brauchen meist keine Decke. Ihr Winterfell isoliert hervorragend, und durch Bewegung erzeugen sie zusätzliche Wärme. Eine unnötige Decke kann sogar dazu führen, dass das Pferd überhitzt oder das Fell plattgedrückt wird und seine natürliche Isolationsfunktion verliert.

Es gibt jedoch Situationen, in denen eine Decke sinnvoll ist:

  • geschorene Pferde, da ihnen der natürliche Wärmeschutz fehlt
  • alte oder sehr dünne Pferde, die weniger gut warm bleiben
  • kranke Pferde, deren Stoffwechsel geschwächt ist
  • Empfindliche Pferde im Offenstall, wenn es dauerhaft nass, windig oder stürmisch ist

Wenn Sie eindecken, sollten Sie regelmäßig unter die Decke fühlen, ob Ihr Pferd zu warm, feucht oder verschwitzt ist. Das passiert im Winter schneller, als man denkt.

Eine passende Decke muss:

  • atmungsaktiv sein, damit Feuchtigkeit entweichen kann
  • korrekt sitzen, ohne zu scheuern
  • zum Temperament und Felltyp Ihres Pferdes passen

Nicht jedes Pferd braucht die dickste Winterdecke. Allerdings ist eine reine Regendecke im Winter nicht immer die beste Lösung. Da ihr eine wattierte Schicht fehlt, kann sich das Winterfell unter der Decke oft nicht richtig aufstellen und verliert einen Teil seiner isolierenden Wirkung. 

In vielen Fällen ist daher eine leicht gefütterte Übergangsdecke sinnvoller. Bei starken Temperaturschwankungen kann es zudem hilfreich sein, je nach Wetterlage zwischen verschiedenen Deckentypen zu wechseln.

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Hufbeschlag und Beinschutz im Winter

Der Winter stellt besondere Anforderungen an Hufe und Beschlag. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Hufschmied darüber, ob ein saisonaler Beschlag sinnvoll ist.

Winterbeschlag

In Schneegebieten kann ein spezieller Winterbeschlag mit Schneegrips oder Stollen verhindern, dass sich Schnee unter den Hufen aufstaut. In sehr vereisten Regionen geben Stifte oder Spikes zusätzlichen Halt.

Barhuf im Winter

Viele Pferde kommen im Winter barhuf gut zurecht, da sie auf Schnee weniger rutschen. Bei harten oder vereisten Böden sollten Sie jedoch auf ausreichenden Abrieb achten. Für Ausritte bei schwierigen Bedingungen eignen sich Hufschuhe mit Profil.

Beinschutz

Matsch und Feuchtigkeit können dazu führen, dass Pferde Gamaschen verlieren oder sich scheuern. Wenn Sie Beinschutz verwenden, achten Sie auf:

  • robuste, gut sitzende Gamaschen
  • sofortiges Abnehmen nach dem Ritt
  • sauberen, trockenen Zustand der Innenseiten

Manchmal ist es besser, auf Gamaschen zu verzichten, wenn keine Verletzungsgefahr besteht – so bleibt kein nasses Material am Bein.

Nützliche Winterausrüstung für Pferd & Reiter

Im Winter sind kleine Anpassungen oft entscheidend für Sicherheit und Komfort.

Reflektoren & Licht

Da es früh dunkel wird, sind Reflektordecken, Leuchtbänder oder Stirnlampen eine wichtige Sicherheitsmaßnahme – vor allem, wenn Sie abends führen oder ausreiten. Sichtbarkeit schützt sowohl Sie als auch Ihr Pferd im Straßenverkehr und auf dem Hof.

Winter-Reitbekleidung

Nur wenn Sie selbst warm bleiben, können Sie sich voll auf Ihr Pferd konzentrieren. Praktisch sind:

  • wasserdichte, gefütterte Stallschuhe
  • warme Winterhandschuhe
  • winddichte Reitjacken
  • Thermoreithosen
  • Wärmepads für besonders kalte Tage

Gute Winterkleidung erhöht nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit, da Sie sich besser bewegen und schneller reagieren können.

Ausrüstung pflegen

Kälte und Nässe setzen Leder besonders zu. Reinigen und fetten Sie Sattel, Trense und Lederzubehör regelmäßig, damit alles geschmeidig bleibt. Lagern Sie Leder nicht in ungeheizten Räumen, da es dort spröde werden kann. Gebisse lassen sich vor dem Auftrensen kurz in der Hand anwärmen oder mit lauwarmem Wasser übergießen – das erhöht den Komfort für Ihr Pferd deutlich.

Winterfeste Stalllösungen von Röwer & Rüb

Ein guter Winterstall ist das Ergebnis einer durchdachten Planung, hochwertiger Materialien und eines klaren Verständnisses dafür, was Pferde in der kalten Jahreszeit wirklich brauchen. Bei Regen, Schnee, Frost und Wind zeigt sich am deutlichsten, wie funktional eine Stallanlage ist und wo Optimierungsbedarf besteht.

Wir begleiten Pferdehalter seit Jahrzehnten dabei, Ställe zu schaffen, die sowohl dem Pferdewohl als auch praktischen Betriebsabläufen gerecht werden. Die Erfahrung zeigt: Gerade im Winter profitieren Pferde von Lösungen, die Licht, Luft, Bewegung und Sicherheit ideal miteinander verbinden.

Sie haben Fragen zu unseren Stalllösungen, Planung oder individuellen Konzepten? Wir unterstützen Sie gern. Nehmen Sie jetzt Kontakt zu uns auf oder finden Sie einen Berater in Ihrer Region.

Frieren Pferde im Winter?

Gesunde, ungeschorene Pferde frieren in der Regel nicht – sie sind perfekt an kalte Temperaturen angepasst. Problematisch wird es erst bei Nässe, starkem Wind oder geschorenen Pferden.

Wie viel Heu braucht ein Pferd im Winter?

Pferde benötigen im Winter oft mehr Energie. Rechnen Sie je nach Größe und Temperatur mit ca. 1,5–2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht, bei Offenstallhaltung meist deutlich mehr.

Braucht mein Pferd eine Winterdecke?

Nur wenn es geschoren, krank, sehr dünn oder alt ist – oder bei dauerhafter Nässe und Wind im Offenstall. Gesunde Pferde mit Winterfell benötigen meist keine Decke.

Kann mein Pferd bei Frost auf die Weide?

Ja, wenn es regelmäßigen Weidegang gewohnt ist. Ungeübte Pferde sollten kein gefrorenes Gras fressen, da Koliken entstehen können.

Wie halte ich Paddock und Auslauf im Winter matschfrei?

Eine gute Drainage, Paddockmatten und Sand helfen, Bodenverdichtung und Matsch in regenreichen Regionen wie Norddeutschland oder dem Alpenvorland zu reduzieren.

Wie erkenne ich, ob mein Pferd friert?

Anspannung, Zittern, eine enge, zusammengezogene Körperhaltung oder Unruhe sind typische Signale. Fühlen Sie an Ohren und Brust: Sind sie sehr kalt, braucht Ihr Pferd mehr Schutz.

Wie viel sollte ein Pferd im Winter trinken?

Mindestens 30–50 Liter täglich. Bieten Sie lauwarmes Wasser an, wenn Ihr Pferd bei Kälte weniger trinkt.

Wie viel Bewegung braucht ein Pferd im Winter?

Auch im Winter gilt: täglich raus. Regelmäßige Bewegung verhindert Verspannungen, Verdauungsprobleme und Winterübermut.

Welche Temperaturen sind zum Reiten im Winter geeignet?

Leichte Arbeit ist meist bis etwa –10 °C möglich. Bei sehr hartem Boden oder eisigem Wind sollten Sie es auf Schritt-Arbeit oder Bodenarbeit beschränken.

Wann sollte ich mein Pferd im Winter scheren?

Nur wenn es im Training stark schwitzt oder krankheitsbedingt schwer trocknet. Geschorene Pferde müssen immer eingedeckt werden.

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